Wie wir über den Körper Einfluss auf unsere emotionale Lage nehmen können
- Sarah Günther

- 18. Dez. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. März
Ist dir schon einmal aufgefallen, wie stark unsere Körpersprache eigentlich beeinflusst, wie wir uns selbst wahrnehmen?
Stell' dir einmal vor, du sitzt in einem Vorstellungsgespräch: Du nimmst dort ganz bewusst eine aufrechte, offene und einladende Haltung ein. Deine Schultern hängen locker herab, dein Blick ist freundlich und blickt geradeaus in das Gesicht deines Gegenübers und deine beiden Füße stehen fest am Boden. Durch diese offene und selbstvertraute Körpersprache verändert sich oft nicht nur dein Auftreten nach außen. Häufig stellt sich auch innerlich ein ganz anderes Gefühl ein: Die Aufregung im Vorfeld bekommt Raum für mehr Präsenz, mehr Sicherheit und vor allem mehr Selbstvertrauen.
Die meisten von uns haben diese Erfahrung schon gemacht, auch wenn sie sie nicht bewusst wahrnehmen würden. Interessant ist dabei vor allem eines: Das veränderte Gefühl entsteht nicht erst durch positive Gedanken, wie es oft so schön heißt, sondern durch den Körper, die Körperhaltung selbst.
Genau hier setzt ein körperbasierter Ansatz an, den ich mir in meiner Arbeit gerne zunutze mache und der in der Psychologie als Bottom-up-Emotionsregulation oder Body-Feedback-Hypothese beschrieben wird. Dahinter steht die Annahme, dass Emotionen nicht nur über Gedanken beeinflusst werden können, sondern auch – und das ganz besonders wirksam – über gezielte körperliche Signale an unser Gehirn.
Im Folgenden möchte ich dir einmal zeigen, wie wir uns dieses Prinzip bewusst zunutze machen können. Nicht, um unsere Gefühle zu kontrollieren oder uns etwas „schönzureden“, sondern um über den Körper Sicherheit, Selbstvertrauen und das Gefühl, wertvoll zu sein, hervorzurufen und dadurch sanft zu stärken.

Wie der Körper unsere Gefühle beeinflusst - ganz praktisch erklärt
Unser Körper reagiert ständig auf das, was wir erleben. Oft, ohne dass wir es bewusst bemerken. Wenn wir uns unsicher fühlen, machen wir uns kleiner. Die Augen neigen dazu, nach unten zu blicken oder auszuweichen. Wenn wir Angst haben, spannt sich die Muskulatur an. Der Körper geht in den Fight-, Flight-, Freeze-Modus. Und wenn wir innerlich im Widerstand sind, fühlt sich der Körper häufig festgehalten oder blockiert an, manchmal spüren wir das durch ein beklemmendes Gefühl im Herzraum oder durch den bekannten Kloß im Hals.
Das Entscheidende dabei: Diese körperlichen Reaktionen sind nicht nur eine Folge unserer Gefühle - sie wirken auch direkt auf sie zurück.
Hier kann unter Umständen ein Kreislauf entstehen, in dem sich Gefühle und körperliche Reaktionen gegenseitig verstärken.
Der Körper sendet fortlaufend Signale an unser Nervensystem. Diese werden vom Gehirn interpretiert und mit emotionaler Bedeutung versehen. Vereinfacht gesagt: Der Körper teilt dem Gehirn mit, wie sicher, geliebt, handlungsfähig oder bedroht wir uns gerade fühlen.
In der Psychologie spricht man hier von Bottom-up-Prozessen – also Einflüssen, die vom Körper ausgehen und unser emotionales Erleben prägen. Das unterscheidet sich von dem Versuch, Emotionen ausschließlich über Gedanken oder innere Argumente, Affirmationen zu regulieren. Auch wenn diese meiner Meinung nach eine große Bedeutung für unser emotionales Wohlbefinden haben.
Gerade in emotional herausfordernden Situationen wie Angst, Wut oder Trauer kann dieser körperbasierte Zugang besonders hilfreich sein. Denn während der Kopf oft grübelt oder die Gedanken sich im Kreis drehen, reagiert der Körper unmittelbar auf innere Signale, noch bevor wir sie bewusst einordnen können.
Wenn Unsicherheit, Angst oder Widerstand ganz konkrete Formen annehmen
Emotionen wie Unsicherheit, Angst oder innerer Widerstand zeigen sich besonders deutlich, wenn sie an reale Lebenssituationen gebunden sind.
Unsicherheit in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten: Wenn Selbstzweifel dominieren
Vielleicht trägst du schon länger eine Idee in dir – ein Buch, ein Projekt oder einen beruflichen Schritt die Karriereleiter hinauf oder gar etwas ganz anderes auszuprobieren – und gleichzeitig ist da die Unsicherheit: Bin ich gut genug? Kann ich das wirklich? Darf ich mir das erlauben?
Körperlich zeigt sich diese Unsicherheit oft durch Rückzug. Der Oberkörper wird schmaler, die Schultern sinken nach vorne, der Atem wird flacher.
Der Körper signalisiert: Lieber nicht zu viel Raum einnehmen, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
Ein bewusster körperlicher Gegenimpuls kann hier unterstützen. Eine aufrechte Haltung, fester Bodenkontakt und ein leicht geöffneter Brustraum senden andere Signale: Ich habe Stand. Ich darf da sein. Ich bin in meiner vollen schöpferischen Kraft.Das verändert nicht sofort die inneren Überzeugungen – aber es kann den emotionalen Rahmen verschieben und erste innere Stabilität ermöglichen.
Angst vor großen Entscheidungen: Zum Beispiel vor einer Trennung
Angst vor einer Trennung ist oft komplex. Vielleicht sind Kinder betroffen. Vielleicht besteht finanzielle Abhängigkeit. Vielleicht ist da die Sorge, allein nicht zurechtzukommen. Oder die Sorge, dass sich der Freundeskreis oder die Familie abwendet. Diese Angst ist nicht unbedingt irrational – aber sie ist nachvollziehbar.
Im Körper äußert sie sich häufig als starke Anspannung, innere Unruhe oder Enge. Das Nervensystem ist im Alarmmodus. Entscheidungen fühlen sich überwältigend an.
Hier geht es nicht um Mut oder schnelle Klarheit, sondern um eine erste innere Beruhigung. Sanfte Selbstberührung, ruhige Körperpositionen oder langsame Bewegungen können dem Nervensystem signalisieren: Im Moment bin ich sicher und mir kann nichts passieren.Erst aus dieser körperlichen Beruhigung heraus entsteht wieder Raum für Gedanken, Gespräche und das Planen der nächsten Schritte.
Innerer Widerstand gegen Entscheidungen von außen und Kontrollverlust
Eine Kündigung, eine Trennung durch den Partner oder der Verlust eines geliebten Menschen sind Situationen, in denen Entscheidungen über unser Leben getroffen werden, ohne dass wir sie beeinflussen konnten.
Der innere Widerstand dagegen zeigt sich oft körperlich als Starre, Gegenspannung oder inneres Festhalten. Der Körper versucht, etwas aufzuhalten, das bereits passiert ist.
Der Körper und die Psyche brauchen Zeit, um Verluste und tiefgreifende Veränderungen zu verarbeiten – oft in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen.
Sanfte, öffnende Bewegungen können hier helfen, aus dem inneren Stillstand herauszukommen. Bewusstes Aufrichten, Dehnen oder ein kleiner Schritt nach vorne vermitteln dem Körper: Das gibt wieder Bewegung und es gibt Handlungsspielraum.
Körperbasierte Impulse als Unterstützung zur emotionalen Selbstregulation
Körperbasierte Impulse wie die Siegerhaltung, die Schmetterlingsumarmung, Lächeln – auch wenn es erzwungen ist – oder einfache, öffnende Bewegungen sind keine Lösungen für komplexe Lebensfragen. Sie ersetzen keine Entscheidungen, Gespräche oder längeren Prozesse.
Aber sie können helfen, den emotionalen Zustand so zu regulieren, dass wir wieder handlungsfähiger und in uns selbst ruhiger werden. Oft ist genau das der erste Schritt: wieder Boden unter den Füßen spüren, bevor Entscheidungen erst wieder möglich werden.
Fazit: Der Körper als verlässlicher Zugang in herausfordernden Zeiten
Unsicherheit, Angst und innerer Widerstand gehören zu den Erfahrungen, die uns besonders nah gehen. Sie entstehen oft dort, wo etwas auf dem Spiel steht: unsere Beziehungen, unsere Existenz, unsere Selbstwirksamkeit oder unser Gefühl, wertvoll zu sein. In solchen Momenten stößt reines Nachdenken schnell an seine Grenzen, da sich Gedanken häufig mit Tunnelblick im Kreis drehen.
Der Blick auf den Körper eröffnet uns dann einen anderen Zugang. Er zeigt, dass wir Emotionen nicht nur verstehen, sondern auch begleiten können – über Haltung, Bewegung, Mimik und bewusste Selbstregulation. Auf gar keinen Fall, um Gefühle zu verdrängen oder zu kontrollieren, sondern um ihnen einen stabileren inneren Rahmen zu schaffen.
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass dich bestimmte Situationen besonders berühren. Dass Unsicherheit, Angst oder innerer Widerstand dich aktuell begleiten. Dann darfst du wissen: Du musst da nicht alleine durch.
Wenn du dir wünschst, diese Themen nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern auch auf einer tieferen, körperlich-emotionalen Ebene zu bearbeiten, begleite ich dich gern ein Stück deines Weges. In meiner Arbeit verbinde ich körperbasierte Ansätze, Achtsamkeit und emotionale Klärung – in einem Tempo, das sich für dich stimmig anfühlt.
Um dich darin zu stärken, dir selbst wieder mehr zu vertrauen, dich wertvoll zu fühlen und dich in herausfordernden Lebensphasen innerlich zu stabilisieren. Wenn du möchtest, findest du hier weitere Informationen zu meiner Begleitung. Du bist eingeladen, in Ruhe zu schauen, ob sich das für dich passend anfühlt oder mir bei Fragen per E-Mail oder WhatsApp zu schreiben.
Alles Liebe,
Sarah




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